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Schwäbische Zeitung  vom 16.06.2007
Interview mit Hans-Christian Hauser
»In Isny gibt es ein feines Stilgefühl«
Hans-Christian Hauser inszeniert zum 19. Mal das Isny-Oper Festival am Kornhausplatz vor der Stadtmauer. Dass Hauser als Dozent der Münchener Musikhochschule trotz schwankenden Besucherzahlen so hartnäckig an der Veranstaltung fest- hält, hat einen schlichten Grund: die Freude an der Kunst.
SZ: Für die Isny-Oper organisieren Sie jedes Jahr Sänger aus aller Herren Länder, proben in München, bringen die Künstler in Isnyer Familien unter, koordinieren die Zusammenarbeit vor Ort - lohnt sich der ganze Aufwand?
Hauser: Natürlich lohnt sich der Aufwand ! Es ist ein kleines Festival mit feiner Kunst. Die Isny-Oper ist eine etablierte Veranstaltung und hat einen Status als Landesfestival erreicht. Es ist betont international und trägt zur Völkerverständigung bei. Durch die Unterbringung der Sänger und Musiker bei Isnyer Familien sind schon viele Freundschaften entstanden.

SZ: Sowohl Sie als auch Ihre Inszenierungen gelten als sehr anspruchsvoll...
Hauser: Es wäre schlimm, wenn ich nicht anspruchsvoll wäre. Das Isny-Oper Festival ist eine Veranstaltung auf überregionalem Niveau. In Isny gibt es ein feines
Stilgefühl und ein gutes Gespür für Leichtigkeit. Das möchte ich fördern und erhalten. Ich würde mir nur wünschen, dass sich mehr Menschen trauen, auch Unbekanntes und Ungewöhnliches zu erkunden.

SZ: Das Stück, das Sie sich dieses Jahr vorgenommen haben, ist berühmt und war bereits auf vielen Bühnen zu sehen. Warum haben Sie sich für »Die Entführung aus dem Serail« von Wolfgang Amadeus Mozart entschieden?
Hauser: Es ist ein sehr helles, fröhliches Stück mit einem sommerlichen Charakter. Außerdem möchte ich eine gewisse Vielfalt bieten. Im Opernrepertoire gibt es nicht so viele Werke, die sich in Isny mit dem Ziel der erstklassigen Kunst inszenieren lassen. Aus finanziellen Gründen dürfen die Stücke keinen großen Chor und kein großes Orchester erfordern. »Die Entführung aus dem Serail« ist mit sechs Solorollen und nur zwei kurzen Chorstücken ideal. Außerdem haben sich viele Isnyer eine Mozart-Oper gewünscht. Es ist die fünfte Mozart-Oper unseres Festivals. Begonnen hatten wir ja 1989 mit der »Gärtnerin aus Liebe«.

SZ: Sechs Solisten - wie wählen Sie die Künstler aus? Hören Sie die alle Probe?
Hauser: Manche Sänger kenne ich schon, bei anderen vertraue ich auf das Urteil meiner Kontaktpersonen an anderen Hochschulen. Die Frage ist immer, wer die Rollen überhaupt singen kann. Die Künstler sind alle fortgeschrittene Studenten oder Absolventen, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Dieses Jahr kommt eine Sängerin aus Salzburg, zwei aus der Slowakei, einer aus Mailand und zwei aus München.

SZ: Was ist speziell bei dieser Oper die größte Herausforderung?
Hauser: Sie ist sehr schwer zu singen. Jede der Rollen.

SZ: Kommen wieder Schüler aus Isny zum Einsatz?
Hauser: Wie immer arbeiten Schüler als Assistenten mit. Die Gesangsschule Susanne Wesselsky stellt einen Teil des Chores. Außerdem wirken Studenten einer Tanz- und Schauspielschule aus München als Choristen und Statisten mit. Schüler vom Gymnasium kommen nicht zum Einsatz. Dort fehlt zur Zeit der Kontakt zum Kollegium.

SZ: Bietet das Festival auch etwas für Opernmuffel, die aber die klassische Musik mögen?
Hauser: Ja. Am 22. Juli findet an der Stadtmauer ein Serenadenkonzert statt. Hauptprogrammpunkt sind Gustav Mahlers »Lieder eines Fahrenden Gesellen«, ein berühmter Liederzyklus für Bariton.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags
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