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| Der Westallgäuer vom 18.07.2006 |
| Poetisch und dramatisch |
| Rimski-Korsakows Oper »Schneemädchen« in Isny |
| Von Helmut Voith |
| Großartiges hat Hans-Christian Hauser auch beim 18. Isny-Opernfestival geleistet mit der Inszenierung von Nikolai Rimski-Korsakows selten gespielter Märchenoper »Schneemädchen«. Es gehören Visionen dazu und die Kraft, unbeirrt an den Erfolg zu glauben, wenn man in einer allgäu-schwäbischen Kleinstadt an der historischen Stadtmauer eine Opernrarität aufführt, und das knapp dreieinhalb Stunden in russischer Sprache. |
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Die Premiere war besser besucht als in den Vorjahren. Es scheint sich immer mehr herumzusprechen, dass Hauser, der die künstlerische und musikalische Gesamtleitung hat, bei aller finanziell bedingten Einschränkung Außergewöhnliches bietet, das auch längere Anreisewege rechtfertigt. Von der Münchner und anderen Musikhochschulen sucht er sich jedesmal ein gut aufeinander abgestimmtes Ensemble von Nachwuchssängern zusammen, dessen besonderer Reiz in den gut ausgebildeten jungen und frischen Stimmen liegt. Die Musiker des kleinen Orchesters - Profis und Studenten - kommen überwiegend aus osteuropäischen Ländern, aber auch aus China und den USA. Während in einem festen Haus Schriftbänder das Geschehen auch denen näher bringen, die der Fremdsprache nicht mächtig sind, ist das Spiel auf der Isnyer Bühne entscheidend, noch dazu, wenn das Ensemble nicht in Kostümen auftritt, wie Hauser zu Beginn entschuldigend sagt. Alles sei rechtzeitig in die Wege geleitet worden, die Figurinen zieren das Programmheft, aber die Lieferung blieb aus. Es tut dem Ganzen keinen Abbruch. Vor minimalistischen Kulissen mit wenigen Andeutungen nimmt das märchenhafte Geschehen seinen Lauf. »Schneemädchen«, die Tochter von Väterchen Frost und der Frühlingsfee, will so gerne die Liebe erfahren, muss aber zuletzt als Braut, vom Strahl der Sonne getroffen, dahinschmelzen. Über weite Teile schwelgt die romantische Oper, in die der Komponist Motive und Melodien russischer Volkslieder wie auch eine farbige Naturmalerei einließen lässt, in zarter, poetischer Lyrik. Gelegentlich setzen dramatische Passagen Gegenakzente. Hauser ist bewusst von altbewährten Stücken abgewichen, die den Erfolg automatisch mit sich bringen würden. Er fordert die Zuschauer. Sie quittieren die Herausforderung mit Interesse, wickeln sich stärker ein, wenn es später doch etwas kühler wird, und genießen den Glanz der strahlenden frischen Stimmen auch ohne aufwändiges Bühnenbild. Ein besonderes Lob gebührt dem kleinen Orchester. |
| Mit freundlicher Genehmigung des Verlags |
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