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Schwäbische Zeitung  vom 17.07.2006
Isny-Oper mit Rimski-Korsakow
Wenn der Frost den Frühling verführt
Von SZ-Mitarbeiterin Christel Voith
Wer sich darauf einlässt, dreieinhalb Stunden Freiluftoper auf russisch zu hören, den erwarten bei der Isny-Oper an der Stadtmauer ein poetisches Opernmärchen mit einer stimmungsvollen Musik voller Farbphantasien und bezaubernde junge Stimmen.
Hans-Christian Hauser hat seine Visionen. Auch wenn die von ihm initiierte Isny-Oper in diesem Jahr »volljährig« wird, ist dieses 18. Isny-Opernfestival noch immer ein Provisorium, ein »Miniatur-Festspiel«, wie er es selber nennt - realisiert mit minimalen Mitteln und umso mehr Ehrgeiz, dass doch Kunst daraus entsteht. Ohne nach vordergründiger Publikumswirksamkeit zu schielen, sucht Hauser das Besondere und hat es diesmal bei Nikolai Rimski-Korsakow und seiner selten gespielten Märchenoper »Schneemädchen« gefunden. Eine romantische Oper, die die Leidenschaft des Komponisten für die russischen Volkslieder widerspiegelt: Er hat selbst hundert russische Volkslieder gesammelt und solche Motive und Melodien auch in diese Oper einließen lassen, die in ihrer Melancholie, in ihrer Sehnsucht nach Wärme und Liebe ungemein lyrisch ist. Dazu kommt eine vielfarbige Naturmalerei: Immer wieder hört man Vogelstimmen rufen, wird eine Soloarie von einer einzelnen Flöte, Klarinette oder dem Fagott begleitet. Die sehr harmonische und melodische Musik kann auch das sehr kleine internationale Orchester aus Studenten und Orchestermusikern leisten, im Mittelpunkt stehen aber die immer wieder begeisternden jungen Stimmen der Nachwuchssänger der Münchner Musikhochschule und anderer Hochschulen, denen Hauser ein Podium gibt. Was ihnen an Spielerfahrung fehlt, macht die Spielfreude weit. Dennoch sollte, wer das Russische nicht versteht, dringend das Programmheft mit Inhaltsangabe erwerben.

Probleme gab's mit den Kostümen

Holzrahmen mit schwarzen Federzeichnungen auf weißen Tüchern stecken die Schauplätze ab. Auf Kostüme muss verzichtet werden: Sie waren längst abgesprochen, die Stoffe eingekauft, die Figurinen zieren das Programm, doch die Kostüme sind nicht geliefert worden. In aller Eile wurde Ersatz gesucht, aus den Märchenwesen sind sehr luftige heutige Wesen geworden. Im Mittelpunkt steht die herbe Anja Katharina Müllich als »Schneemädchen«, Tochter von Väterchen Frost (Aleksandr Morozov) und der Frühlingsfee (Tatjana Winkler). Ihre in lyrischen Sopranarien ausgedrückte Sehnsucht nach Liebe muss sie mit dem Tod bezahlen. Der ersehnte Hirte Lei mit der wunderschön warmen Mezzosopranstimme (Iskra Staneva) erwählt sich eine andere, doch ein Zaubermittel lenkt ihre Liebesfähigkeit auf den reichen Misgir der sie leidenschaftlich begehrt (Kimako Xavier Trotrnan). In weiteren Rollen gefallen Alexandra Mindova als Freundin Kupawa, Sha Ri Fu als besonnener Zar, Sophie Zakir als Adoptivmutter Babylza.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags
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