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| Süddeutsche Zeitung vom 29.07.2005 |
| Die Kunst der Improvisation |
| »Die vier Grobiane« in der Allerheiligenhofkirche |
| Von SZ-Redakteur Reinhard Schulz |
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Schon zum zweiten Mal nach einem erfrischenden Falstaff im letzten Jahr besuchte die Isny-Oper unter der Leitung von Hans-Christian Hauser die Münchner Allerheiligenhofkirche. Man setzte auf die Opera buffa, nicht zuletzt, weil diese Gattung jede Sparsamkeit bei der Inszenierung gnädig verzeiht, wenn nur Geist und Esprit walten dürfen. Und auch Hans-Christian Hausers drastisch reduzierende Eingriffe in die Besetzung werden weggesteckt. Denn die Gattung, die in der Commedia dell' Arte ihre Wurzeln hat, baut seit jeher auf die Kunst der Improvisation. Diesmal stand Ermanno Wolf-Ferraris vorbeinahe 100 Jahren (1906) in München uraufgeführtes Stück »Die vier Grobiane« nach Carlo Goldoni im Mittelpunkt. Dass der schöne Erfolg vom letzten Jahr nicht ganz wiederholt werden konnte, lag am - im Vergleich zu Verdi oder auch zu Puccinis »Gianni Schicchi« - betulicheren Charakter dieses Stücks. Die vier Grobiane, das sind vier verheiratete, verwitwete oder gehörnte Bärbeißer nach auch im 18. Jahrhundert altem Schrot und Korn, die von den Frauen nach Strich und Faden hintergangen werden. Die von den Vätern am Abakus ausgetüftelte Verheiratung der Kinder kommt schließlich zustande, weil die Liebe letztlich ein gehöriges Stück mitspielt. Das ist von Goldoni facettenreich konstruiert, Wolf-Ferraris Musik kommt aber irgendwie hundert Jahre zu spät. Er zieht die Register mit leichter Hand aus der Buffa-Kiste, setzt auf die Wirksamkeit einer eingängigen, immer wieder aufklingenden Barkarole, lässt am Schluss mit Anklängen an Schumanns Davids-bündlermarsch versöhnlich abwinken. Das alles ist amüsant, selten aber mehr. Der milde Draufblick überwiegt. Wieder aber konnte die mit wenigen Federzügen, im Grunde allein mit drei mannshohen Kistengestellen, einigen Hockern und Farbsymbolik auskommende Inszenierung überzeugen. Und musikalisch fand man sich im Laufe des Abends mit ansprechenden Stimmen und einem immer etwas wackligen Orchester von nur 20 Mitwirkenden zu einer süffigen Oper light im Schatten des angrenzenden Nationaltheaters zusammen. |
| Mit freundlicher Genehmigung des Verlags |
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