Natürlich muss hier der Pomp der Barockoper einer drastisch verschlankten Fassung weichen. Die 21 Musiker kommen von der Philharmonie Arad, Kosice und Cluj und von den Musikhochschulen München und Bratislava, drei Schüler der Jugendmusikschule ergänzen das schmale Ensemble, Hauser dirigiert vom Cembalo aus. Kein großer barocker Klang, aber doch ein Eindruck von der einst so aufsehenerregenden Tonsprache Rameaus, die für ihrer Neuartigkeit weit über Lully hinausging und die Zeitgenossen schockierte. Jagd, Sturm und Götterankunft sind mit tonmalerischen Effekten plastisch geschildert, Emotionen erlebbar, ob Phädra den Stiefsohn Hippolyte begehrt und tief gedemütigt nach Rache ruft, ob ihr Gatte Theseus in der Unterwelt seine Befreiung erfleht und auf Plutos Wut trifft, ob Aricie um den scheinbar verlorenen Geliebten trauert oder zuletzt glücklich mit ihm vereint ist.
Hauser hat das dreiernhalbstündige Werk klug auf eine Spieldauer von zwei Stunden gekürzt. Dass der Schauspieler Peter. Kaufmann als Komponist durch sein Werk führt, ist äußerst hilfreich, dass er auch zwischen den Szenen, ansagt, was die französisch gesungenen Arien ausdrücken, unterbricht allerdings häufig den Fluss der Musik. Während der Chor auf ein Minimum reduziert ist, begeistern auch diesmal junge Sänger. Mit frischen, unverbrauchten Stimmen tauchen sie ein in eine mythische Welt, die uns fremd ist und doch in ihrer Schönheit und Dramatik berührt. Die Ausstattung hat Hauser den Bildern auf antiken- griechischen Vasen nachempfunden. Götter und der stilisiert gekleidete Chor tragen je nach Funktion Tafeln mit Tierköpfen, Meeresbewohnern oder wandern als bleiche Unterweltbewohner umher. Ein Tanzpaar umrahmt die Szenen: bald als Amoretten, als Höllenhund, oder als Meereswesen. Einfache Mittel schaffen so Theater pur.
Die Protagonisten bewegen sich in barocken Kostümen. Mit hellem Sopran gibt Nelli Born die Aricie, in lyrischem Einklang singt der hohe Tenor Sandro Schmalzl ihren Geliebten Hippolyte, während Iskra Staneva als Phädra einen herben Mezzosopran hören lässt. Dramatisch gestaltet Frits Kamp den Theseus, lvan Zvarik ist einPluto mit markantem Bass, während Manuel Ried als kecker Amor mit den Liebenden sein Spiel treibt.
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