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Schwäbische Zeitung  vom 23.07.2011
Das schlaue Füchslein lebt in seinen Jungen weiter
Von unserer Mitarbeiterin Christel Voith
Isny-Oper präsentiert selten gespielte Janacek-Oper - Hans-Christian Häuser verzichtet auf Vordergründiges
Ein kleines Füchslein saß bei der Heimfahrt von Isny im strömenden Regen am Straßenrand: Es war schlau, denn es kehrte rechtzeitig um, und es war arg nass. Das »schlaue Füchslein«, das bei der Isny- Oper Premiere hatte, ist trocken geblieben, denn die Aufführung fand im Kurhaus statt. So blieb zwar die malerische Kulisse der Freilichtbühne am Diebsturm ausgeklammert, dafür musste man nicht mit Sängern und Musikern bangen. Leos Janacek hat die Musik für seine Oper der Natur, dem Wald und seinen Stimmen abgelauscht: »Ich versenke mich ganz in die Natur, aber ich ertrinke nicht in ihr«, schrieb er an seinen Übersetzer Max Brod. Sein Realismus erschöpft sich nicht in simpler Tierimitation, sondern verwebt das Gehörte mit der Sprachmelodie seiner mährischen Heimat (daher die Aufführung in der Originalsprache) in eine lichte, atmosphärische, poetische Musik. Die Natur ist es, wo für ihn Freiheit und unverstellter Eros stattfindet, in einem ewigen Kreislauf aus Werden und Vergehen, Tod und Erneuerung. In der Gefangenschaft ist das »schlaue Füchslein«, das der Förster ins Forsthaus mitgenommen hat, den plumpen Annäherungsversuchen des Hundes, den Streichen der Försterkinder und den dummen Hühnern ausgeliefert, erst in der Freiheit findet die Füchsin den noblen Fuchs, mit dem sie Hochzeit feiert. Ihre zahlreichen Kinder leben weiter, auch wenn der Landstreicher Häraschta die Füchsin erschießt und ihren Pelz seiner Braut um die Schultern legt.

Doch Tiere und Menschen gehen hier nahtlos ineinander über: Die Füchsin steht für das Zigeunermädchen Terynka, von der Förster, Lehrer und Pfarrer träumen und die der Landstreicher heimführt. Daher darf eine Inszenierung nicht nur das Tier-märchen sehen, nicht nur possierliche Tiere in eine Waldlandschaft stellen.


Kein vordergründiger Realismus
Hans-Christian Hauser, der auch in dieser seiner 23. Produktion für die Isny-Oper künstlerischer und musikalischer Leiter wie auch Regisseur in einer Person ist, hat auf solch vordergründigen Realismus verzichtet. Leer ist die Bühne im Kurhaus, nur ein paar Girlanden mit papierenen Blättern verweisen in den Wald, ein Tanzpaar flattert als bunte Schmetterlinge durch die Szenen.

Die Kostüme, die Diana Leist geschaffen hat, stilisieren Merkmale der Tiere: zwei weiße Streifen auf der Kappe und am Revers markieren den Dachs, die Füchsin trägt eine schicke Fellweste und passende Gamaschen. Im Mittelpunkt stehen die Stimmen: Wieder hat Hauser spielfreudige junge Talente zusammengeführt, manche sind schon mehrmals dabei.
Sehr schön strömen und harmonieren ihre Stimmen - genannt seien die Sopranistin Aline Lettow als agiles Füchslein, der hohe Tenor Sandro Schmalzl als Fuchs, Bariton Heinz- Daniel Makra als Förster, die Altistin Iskra Staneva als Pfarrer und Dachs und Bassist Ivan Zvarik als Häraschta. Leider werden die Sänger im Kurhaus etwas zugedeckt vom Orchester, das fast auf gleicher Höhe davorsitzt und bei der Premiere die gebotene Leichtigkeit und Durchsichtigkeit noch vermissen lässt.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags
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