| Interviews mit den Mitwirkenden |
| Susanne Wesselsky (Chor-Einstudierung und Chor-Leitung) |
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Sie stellen mit Ihrer Gesangschule den Chor im »Vogelhändler« - eine Herrausforderung? Ja, weil ich sehr genau abschätzen muss, welche meiner Schüler diesem anspruchsvollen Chorpart bereits gewachsen sind und welche möglicherweise damit stimmlich überfordert wären. Da in meiner Gesangsschule leider zu wenige Männerstimmen zu finden sind, müssen die Männerstimmen aus Chören der Umgebung erst rekrutiert werden. Wenn die Herren dann zum ersten Mal den Umfang der Chorpartie sehen, muss ich meine ganze Diplomatie walten lassen, um ihnen die Angst vor dem auswendig Singen zu nehmen. Meist freuen sich dann aber schon nach der dritten Probe alle auf das gemeinsame Singen mit den internationalen Profis, auf die Kostüme, das Schauspiel und das besondere Fluidum, welches in dieser Art nur bei Isny-Oper zu finden ist. Was ist für Sie das Besondere an der Isny-Oper? Die Isny-Oper ist ein junges, dynamisches, internationales Ensemble, mit wechselnden, immer hervorragenden Sängerinnen und Sängern. Isny-Oper erfindet sich mit jeder Inszenierung neu. Nicht zuletzt weil der Spiritus Rector Hans-Christian Hauser, mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit, seinen Fähigkeiten als Musiker, Regisseur, seinen vielen anderen Talenten und der von ihm ausgehenden Kraft und Energie, diesem Festival seine ganz persönliche, unnachahmliche Note verleiht. Im Team der Isny-Oper wird ganz besonders darauf geachtet, dass die ausländischen Künstler in deutschen Familien betreut werden und dass die Arbeit des gesamten Ensembles: Orchester, Solo, Chor, Technik, gleichermaßen geachtet und anerkannt wird. So entstehen oft jahrelange Freundschaften zwischen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Das ist nicht überall selbstverständlich! Ist Operette leichter zu singen als Oper? Keinesfalls! Auch wenn die Melodien scheinbar leicht klingen, ist ihre sängerische Umsetzung oft genau so schwer für den Akteur wie Oper. Es gibt sogar Opern, welche leichter zu singen sind als z.B. »Der Vogelhändler«. Natürlich gibt es auch das Gegenstück: z.B. sind »Im weißen Rössl« oder »Der Vetter aus Dingsda«, sängerisch leichter zu bewältigen. Dafür hat man den Begriff »Singspiel«" erfunden. Der Fachmann weiß dann sofort - sängerisch leichte Operette. Die anspruchsvolle Variante hat den Namen »Klassische Operette« bekommen. Doch auf der Bühne ist nichts wirklich leicht, wenn man es gut machen will! Beim Singspiel und Musical kommen nur andere Schwerpunkte hinzu. Denken Sie noch gern an Ihr musikalisches Wirken in Ostdeutschland? Ja, natürlich! Die Grundlage für diesen schönen Beruf, nämlich ein fundiertes Studium an der Hochschule für Musik in Leipzig, bei ausgezeichneten Lehrern und komplett auf Staatskosten + Stipendium ohne Rückzahlverpflichtung, habe ich seinerzeit in genau diesem Ostdeutschland bekommen. Anschließend hat man dafür gesorgt, dass auch wirklich jeder abgehende Student ein Engagement bekam. So bekam ich ganz selbstverständlich im Anschluss an mein Studium einen festen Vertrag im Solo-Ensemble des »Theater der Altmark« in Stendal. Ja, (wenn wir mal die politischen Phrasen beiseitelassen), ich persönlich denke positiv an diese Zeit in Ostdeutschland, wenn ich sehe, wie schwer es heute oft sogar sehr begabte Sänger haben, ihren Lebensunterhalt nach dem Studium zu verdienen. Was haben Sie für einen Zukunftstraum? Da gibt es mehrere! Aber für heute nur so viel: nachdem ich nun zwei Jahre fleißig Englisch gelernt habe, möchte ich gern auch einmal im Ausland unterrichten. Am liebsten etwas weiter weg – sagen wir Südhalbkugel! Genaueres kann man dann auf meiner Homepage lesen: www.gesang-spezial.de. Vorher möchte ich aber noch mit meinem Klassik-Ensemble hier im Allgäu, durch hoffentlich viele Aufträge für Konzerte in Kirchen und Sälen, zeigen, was man an meiner kleinen Gesangsschule alles erreichen kann. Ich verspreche, es bleibt spannend! |
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