| »Jolanthe« | |
| von Piotr Iljitsch Tschaikowsky | |
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Zwei Kurzopern, die sich ideal ergänzten, bildeten das Hauptprogramm des 15. Isny-Oper-Festivals. Vor der Pause gab es Puccinis turbulente Komödie um eine Testamentsfälschung »Gianni Schicchi«, nach der Pause Tschaikowskys romantisches Märchen in einem Akt von der blinden Königstocher »Jolanthe«. Im Zentrum der Oper »Jolanthe« stand die blinde Königstochter in einem Tüll-Pavillon, der ihre Blindheit symbolisierte. Jolanthe und ihre Dienerinnen bis hin zur Amme Martha waren in Saris gekleidet, die vom warmen Rot über Rosa bis ins Violett spielten. Rote und weiße Blüten bildeten den Bühnenhintergrund und waren auch in drei Tänzerinnen personifiziert; diese Blüten spiegelten in ihren Bewegungen die Seelenlage Jolanthes, die in Tschaikowskys wunderbarer Musik zum Ausdruck kommt. Die Männer, wie König und Arzt, waren in Kaftanen und Pluderhosen zwischen Weiß und Dunkelblau gekleidet; ein Hofdiener erzählte dem Publikum zwischen den einzelnen Musiknummern als Erlebnisbericht vom Geschehen, denn alles wurde in der weichen russischen Originalsprache gesungen. Nur Graf Vaudemont und Herzog Robert waren als fremde Eindringlinge in silbergrauen europäisch-historischen Kostümen gekleidet. Die Besetzung: Jaroslav Pehal (Bratislava) als König René Jin Lian als Jolanthe (Gaststud. HfMuT München) Han Bo Jeon (HfMuT München) Jiri Hajek (Staatsoper Prag) als Robert Alexander Morozov (HfMuT München) als maurischer Arzt Sebastian Schmid (HfMuT Augsburg) als Almerich Peter Adamov (HfMuT Bratislava) als Bertrand Su-Bin Kwon (HfMuT München) als Martha Min Sung Kang (HfMuT München) als Laura Tian Ying (HfMuT München) als Brigitta Dienerinnen-Chor: Wang Li (Peking), Dora Pavlíková (Kons. Prag), Susanne Wesselsky (Isny), Ingrid Baer-Kaufmann (Bozen) Gefolge: Matthias Utz (HfMuT München) und Statisten Weitere Mitwirkende: Natascha La Vecchia, Petra Nérette, Daniela Tauber (Blüten), Ruben Wiehthüchter (Sprecher) (alle Einstein-Show-Akademie, Mandolin Motions, München) Das 20-köpfige Orchester bestand ähnlich wie in den Vorjahren aus Rumänen, Amerikanern, Slowaken, Tschechen und Deutschen. Viele Mitarbeiter trugen zum Gelingen bei. Durch die vielen schönen Stimmen, das lebendige Schauspiel, die gelungenen Kostüme, die schöne Tschaikowsky-Musik und die Unterschiedlichkeit der beiden Werke war für jeden im Publikum etwas dabei, und insgesamt kamen die Aufführungen hervorragend an. In Kempten trat die Truppe im Archäologischen Park Cambodunum auf; in Isny war trotz des heißen Sommers gerade am Premierenabend ein Platzregen, so dass man im Kurhaus spielen musste; die weiteren Abende auf der Freilichtbühne waren gelungen - die Aufführungen begannen diesmal schon um 19 Uhr, um die Abendkühle zu vermeiden. In München war es schließlich nicht gelungen, wie in den Vorjahren des Cuvilliés-Theater zu bekommen; man wagte sich auf neues Terrain: in die frisch renovierte Allerheiligenhofkirche der Residenz, die durch ihre Schlichtheit einen guten Rahmen bildete, wenn sie auch etwas überakustisch war. In der Allgäuer Zeitung erhielt die Produktion großes Lob, in der Schwäbischen einen Verriss Das Orchesterkonzert in der Nikolaikirche war in jedem Jahr ein Publikumsmagnet gewesen. Diesmal gab es zu hören ein Fagottkonzert von Vivaldi (Sandu Moldovan, Arad), zwei Lieder von Bach (Peter Adamov), ein Trompetenkonzert von Telemann (Hans-Peter Buck, Musical-Orchester »Phantom der Oper« Stuttgart u.a.), Cellostücke von Saint-Saens und Tschaikowsky (Johannes Kübel, HfMuT Augsburg), Bachs »Jauchzet Gott in allen Landen« (Min Sung Kang und Hans-Peter Buck), zwei »Wesendonck«- Lieder von Wagner (Dora Pavlíková) und Mozarts Violinkonzert D-Dur KV 218 (Russell Kotcher, Philadelphia). Wieder einmal gelang es, eine sehr schöne, festliche Atmosphäre zu erzeugen. Ein Kammerkonzert mit buntem Programm, traditionsgemäß im Franziskushof Maierhöfen, vervollständigte das Festival-Programm. Die Opernaufführungen, die in Isny diesmal unter besonderer Mitträgerschaft der Waldburg-Zeil-Kliniken standen, waren leider insgesamt nicht gut genug besucht und so stand das Festival summiert zum Vorjahresdefizit vor einem beträchtlichen finanziellen Problem. | |