| »Land des Lächelns« | |
| von Franz Lehàr | |
Im neunten Jahr der Isny-Oper hatte man nach den de Falla-Kurzopern vom Vorjahr den Schluss gezogen, dass man wieder großes Publikum mit einem populären Stück anlocken wollte. Man ging wieder in den Sommermonat Juli zurück und baute von Neuem eine Seebühne, wie sie bei »Feuervogel/Die Nachtigall« so großen Erfolg gehabt hatte. Kunsterzieher Rainer Fritz schuf geschmackvoll dezent bemalte Kulissenteile für die schwimmende Insel, auf der sich die große Menge der Darsteller bewegte.Die Hauptrollen der Operette von Franz Lehár sangen und spielten: Jana Havranová (Staatsoper Prag) als Lisa Polo Saldana (Wien) als Sou-Chong Javier Suarez (München) als Gustl Julia Felecan (Musikhochschule München) als Mi Lee Sang Ho (München) als Tschang Jan Ondrácek (Musikhochschule Prag) als Botschaftsdiener und Obereunuch Schamsi Kutschekmanesch, Absolventin der Deutschen Meisterschule für Mode in München und zum dritten Mal in Isny, nahm für die Chinesen Kostüme des taiwanesischen Kulturzentrums und des Gärtnerplatztheaters München zu Hilfe und kreierte ein opulentes Kostümbild; die Wiener Damenkostüme samt phantasievollen Hüten in Pastellfarben, China in traditioneller, stark farbiger Kleidung. Hans-Christian Hauser hatte aus 28 Isnyer Schülern, Laien, Chorsängern einen hochmotivierten Apparat für die kleinen Sprechrollen, Gesellschaften, Chöre, Tänze zusammengestellt; die beiden ballettbegabten Schülerinnen Kathrin Haug und Katharina Wonneberger tanzten als Einlage einen chinesischen Mythos von Drache und Perle. Das Orchester saß, anders als 1995 auf einer eigenen Wasserplattform auf der Publikumsseite des Weihers, 29 Instrumentalisten aus Rumänien, Bulgarien, Tschechien und Deutschland. Engagierte Isnyer wie Walter Bücheler, Stefan Lienau und Klaus Köhler bauten Seebühne, Kulissen und Absperrungen; eine Handvoll Schüler betätigte sich außerdem als Assistenten, die Beleuchtung von Helmut Tschugg zauberte vollends zarte Stimmungen und exotische Spiegelungen auf Bühne, Trauerweiden, Stadtmauer und Wasser. Zahlreiches Publikum erschien, die Presse brachte positives Echo. Hans-Christian Hauser hatte in diesem Jahr bewusst viele Isnyer Schüler, auch einige Laien einbezogen. Die Lebendigkeit und Echtheit des Spiels der Kinder und Jugendlichen bei »Meister Pedros Puppenspiel« hatte ihn inspiriert. Er schuf richtiggehend eine kleine Akademie, in der die Sechs- bis Neunzehnjährigen in verschiedenartigen Theatertätigkeiten ein Stück weit ausgebildet wurden: als Statisten, Choristen und Assistenten im «Land des Lächelns«, als Sprechschauspieler in »Die Streiche des Scapin« und »Schuberts Rosamunde« sowie als Pantomimendarsteller in »Peter und der Wolf«. Das Jahr 1997 entfaltete eine ungeheure Dynamik und Lebendigkeit; die vielen Schüler waren energiegeladen, entwickelten aber auch viel Chaos, zumal die Unternehmung »Schülerakademie« wider Erwarten von den öffentlichen Stellen nicht besonders getragen wurde, ja, im Gegenteil, bald heftigen Gegenwind erntete. Hans-Christian Hauser wurde stark angefochten; man warf ihm vor, das Niveau der Isny-Oper durch die Einbeziehung von Schülern zu mindern und nicht genügend hervorragende Sänger auf die Bühne zu bringen. »Land des Lächelns« und die anderen Produktionen ernteten aber auch viel Begeisterung. | |