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»Nur zu seinem eigenen Vergnügen« wolle er den Falstaff schreiben. Ein halbes Jahrhundert hatte Giuseppe Verdi mit dem Gedanken gespielt, eine komische Oper zu schreiben - nachdem die Aufführung von »Giorno di Regno« im Jahre 1840 verunglückte. Im hohen Alter von 78 Jahren setzte er sich 1891 zum Schreiben hin. »Nur für sich selbst«, denn Verdi war die Entstellungen seiner Werke auf der Bühne gründlich leid, wo sich Sänger und Sängerinnen vor allem selbst als Stars produzieren wollten, gleich welche Rolle ihnen die Handlung und Dramaturgie zugeschrieben hatte. Doch so ist es glücklicherweise nicht gekommen. Schon Ende des Jahres war das Werk fertig und wurde im Freundeskreis als Klavierauszug vorgestellt. Verdi ließ sich noch das ganze Jahr 1892 Zeit für Überarbeitungen und Optimierungen, bis das Werk schließlich bei der Uraufführung am 8.2.1893 in der Mailänder Scala einen triumphalen Erfolg feierte.
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Dass das Werk überhaupt zustande kam, war vor allem seinem Librettisten Arrigo Boito zu verdanken. Dieser verstand es hervorragend die Figur des Falstaff, ein Schwerenöter und Betrüger, Säufer, Macho und Chauvinist aller erster Klasse, aus Shakespeares Dramen »Die lustigen Weiber von Windsor« und »Heinrich IV.« herauszulösen und daraus ein operngerechtes Libretto zu schreiben.
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Auch Verdi selbst vertiefte sich in die Quellen um den Falstaff, der in verschiedenen Abwandlungen durch Novellen und Geschichten aus vielen Ländern Europas geistert. Herausgekommen ist das grandiose Alterswerk, in dem Verdi einmal mehr beweist, über welch unglaublich kompositorischen Reichtum er verfügte. Denn der »Falstaff« ist gerade kein bombastisches Drama, sondern ein lyrisches Ensemblestück.
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Wir treffen den Fettwanst Sir John Falstaff (Bassbariton) im Gasthof »Zum Hosenbund«: er plant seinem finanziellen Ruin zu entkommen, indem er gleich zwei Damen den Hof macht: Mrs. Alice Ford und Mrs. Meg Page. Um diesen Mittelpunkt des alternden Schwerenöters gruppieren sich die Charaktere, die nicht nur Falstaff einen ordentlichen Denkzettel verpassen, sondern auch untereinander im Spiel der Intrigen und Täuschungen verwoben sind:
die lustigen Weiber Mrs. Alice Ford (Sopran), Mrs. Meg Page (Mezzosopran), Mrs. Quickly (Mezzosopran) und Nannetta (Sopran)
Ford (Bass), der eifersüchtige Ehemann von Alice
Fenton (Tenor), der Nannetta liebt (und sie ihn)
Dr. Cajus (Tenor), mit dem Nannetta nach Fords Willen verheiratet werden soll
Bardolfo (Tenor) und Pistola (Bariton), die untreuen Diener Falstaffs
und dazu ein Knappe, ein Wirt, Bürger, Hexen, Elfen, Geister ...
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Handlung und Musik kreisen um den dicken Falstaff, der wie eine Billardkugel im Zentrum des Geschehens wirbelt. Alle treiben sie ihr Spiel mit Falstaff, der sich, obwohl gefoppt und malträtiert, am Schluss wenig geläutert zeigt, sondern im Gegenteil über sich selbst und das Bürgertum gehörig lacht.
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Musikalisches Kennzeichen der Oper sind die Ensembleszenen. Es wimmelt nur von Duetten, Quartetten und Quintetten, eingebunden in einen ungeheuren Reichtum an Musik. So beschreibt András Batta den »Falstaff« in seinem Standardwerk »Opera« als »Kammermusik für großes Orchester und Solistenensemble«.
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Verdi hat sich mit diesem komischen Stück voll herrlicher Musik von der Bühne verabschiedet. Ihm war klar, dass dies endgültig seine letzte Oper war. Mit liebevoller Wehmut notierte er am Schluss auf die Partitur: »Le ultime note di Falstaff. Tutto è finito!«. Die letzten Noten des Falstaff. Alles ist beendet! Doch geblieben ist ein Werk, das einfach nur begeistern kann.
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Verdi steht im 16. Jahr des Isny-Oper-Festivals zum ersten Mal auf dem Spielplan. Im schönen Ambiente der Freiluftbühne an der Unteren Stadtmauer bekommen Künstler wie Zuschauer dabei etwas ganz Besonderes geboten, denn das Ensemblestück animiert zur Schauspielkunst und zum Zusammen-Musizieren der verschiedenen Gesangsrollen und des Orchesters.
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